Zielsetzung

Zielsetzung des Projektes ist die Identifizierung möglicher Bedrohungsszenarien, die sich unmittelbar auf Brücken- und Tunnelbauwerke und deren Nutzer auswirken können. Dabei werden zunächst alle denkbaren natürlichen und vom Menschen ausgehenden Bedrohungsszenarien berücksichtigt (”all-hazard-Ansatz”). Die Auswirkungen der verschiedenen Bedrohungsszenarien auf die Bauwerke und deren Nutzer werden bestimmt und mögliche Schutzmaßnahmen mittels Risiko- und Szenarioanalysen sowie Kosten-Nutzen-Analysen auf ihre Wirksamkeit und Effizienz hin untersucht. Hieraus ergibt sich die Ableitung wirksamer baulicher, betrieblicher und organisatorischer Schutzmaßnahmen, in deren Mittelpunkt die Sicherheit und der Schutz der Verkehrsteilnehmer sowie die Sicherstellung einer hohen Verfügbarkeit der Bauwerke stehen.

 

Die Forschungsergebnisse werden in Form von Empfehlungen zur Maßnahmenumsetzung für die einzelnen Zielgruppen (Bauwerksnutzer, -eigentümer, -betreiber und Rettungsdienste) ausgearbeitet. Den Abschluss des Projektes bildet die Demonstration der Schutzmaßnahmen an ausgewählten Bauwerken. Durch die interdisziplinäre Zusammensetzung des Konsortiums (Beteiligte) ist eine ganzheitliche Betrachtung des Forschungsthemas gewährleistet.

Die Bearbeitung umfasst die unten gezeigten Arbeitspakete (AP):

 

Stand der Arbeiten im Juli 2011

Kernstück der aus Arbeitspaket 1 ("Bedrohungsanalyse") hervorgegangenen Ergebnisse sind die in Szenarientabellen zusammengestellten Bedrohungn für Brücken- und Tunnelbauwerke. Diese Tabellen verknüpfen Ereignisse, wie Brand, Explosion, Kontamination oder Überflutung mit ihren ursächlichen Auslösemechanismen, beispielsweise kann ein Brand auf einen Unfall oder auf eine Explosion zurückgeführt werden. Eine Auswertung der gültigen Regelwerke und Richtlinien, die Ansätze zum Schutz von Tunneln und Brücken beinhalten, wurde durch Arbeitspaket 2 ("Maßnahmenanalyse") erbracht. Darüber hinaus ist ein Katalog von etwa 140 potentiellen Schutzmaßnahmen aus der Bearbeitung hervorgegangen. Mit dem Ziel, kritische Bauwerke zukünftig identifizieren zu können, ist in Arbeitspaket 3 ("Kriterien für kritische Brücken und Tunnel") unter anderem untersucht worden, wie sich außergewöhnliche Ereignisse auf das Bauwerk und die Nutzer einerseits und auf das Vorgehen der Betriebs- und Rettungsdienste andererseits auswirken. Zielstellung der Aktivitäten in Arbeitspaket 4 ("Wirksamkeit der Maßnahmen") ist es, sinnvolle Maßnahmen hinsichtlich ihrer Kosten- Wirksamkeit mit Hilfe risikoanalytischer Untersuchungen zu bestimmen.

Zusammenfassend sind aus der bisherigen Bearbeitungsphase die folgenden Ergebnisse hervorgegangen:
  • in Szenarientabellen zusammengestellte Bedrohungen für Brücken- und Tunnelbauwerke
  • Verknüpfung der Ereignisse, wie Brand, Explosion, Kontamination oder Überflutung, mit ihren ursächlichen Ereignisauslösern
  • Auswertung aller derzeit gültigen Regelwerke und Richtlinien, die Ansätze zumSchutz von Tunneln und Brücken beinhalten
  • Erarbeitung eines Katalogs von etwa 140 Schutzmaßnahmen für Brücken und Tunnel
  • Abbildung ausgewählter Bedrohungsszenarien (mit/ohne Maßnahmeneinfluss) in projektspezifisch entwickelten Simulationsmodellen
  • detaillierte Beschreibung ausgesuchter Maßnahmen sowie Abschätzung aller damit verbundenen kurz- und langfristigen Kosten
  • Wirksamkeits-Kosten-Analyse geeigneter Schutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Wirkungen auf Bauwerk, Nutzer und Verkehr
  • Empfehlung einzelner Maßnahmen zur Umsetzung bei Neubauten und Bestandsbauwerken
  • Untersuchungen zum Verhalten von Probanden bei einem Ereignis im Tunnel:
    - Versuche in virtueller Umgebung
    - Feldstudie in einem Straßentunnel
  • Ethisch-rechtliche Evaluierung der erarbeiteten Ergebnisse und Berichtsfassungen
  • Erhebung von Expertenmeinungen aus Betriebs- und Rettungsdiensten zu ausgewählten Schutzmaßnahmen

Demonstrationsvorhaben

Um technische Entwicklungen unter realen Bedingungen zu erproben, das Verhalten von Verkehrsteilnehmern aus psychologischer Sicht zu analysieren und um Abläufe bei Betriebs- und Rettungsdiensten weitergehend bewerten zu können, sind im Rahmen von SKRIBT mehrere Praxisstudien - sogenannte Demonstrationsvorhaben - umgesetzt worden.

Seit Februar 2010 werden auf der Zufahrt zu einem Autobahntunnel in der Nähe von München drei Messeinheiten zur Erfassung ausgewählter Fahrzeugindikatoren erprobt. Die Auswertung der Messergebnisse erfolgt in Echtzeit, so dass
Fahrzeuge mit markanten Merkmalen an der Einfahrt in den Tunnel gehindert werden bzw. bei einem außergewöhnlichen Ereignis im Tunnel die Betriebsdienste eine gezielte Alarmierung vornehmen können.

Ein weiteres Vorhaben hatte die Erforschung psychologischer Verhaltensweisen von PKW-Fahrern zum Ziel. Dazu wurden im Juni 2010 Probanden mit einem fingierten Verkehrsunfall in einem innerstädtischen Tunnel im südlichen Ruhrgebiet konfrontiert. Verhaltensmerkmale der Probanden wurden auf unterschiedlichen Arten erfasst und eingehend ausgewertet.

Im Herbst 2010 wurde zur Erprobung von betrieblichen und organisatorischen Maßnahmen in einer Tunnelleitzentrale (TLZ) in NRW der Ausfall einer weiteren TLZ simuliert. Hierzu wurde eine TLZ abgeschaltet und auf eine redundante TLZ umgeschaltet. Zeitgleich wurde in einem überwachten Tunnel eine Feuerwehrübung durchgeführt. Die Übernahme der Überwachung und die zeitgleiche Betreuung der Übung verliefen erfolgreich.